Ein leicht schiefes Meer kann ein ruhiges Landschaftsfoto unruhig wirken lassen. Die Begradigung scheint einfach: Bild drehen, fertig. In anderen Motiven ist jedoch nicht jede lange Kante wirklich waagerecht. Eine Straße steigt an, eine Uferlinie läuft schräg in die Tiefe und ein Gebäude wird aus seitlichem Winkel gesehen. Erst die passende Referenz macht die Korrektur sinnvoll.
Die Linie in der Szene beurteilen
Ein ferner Meereshorizont ist meist eine gute Orientierung. Eine nahe Wasserkante an einem See muss dagegen nicht waagerecht durchs Bild laufen. Bei Architektur kann eine senkrechte Säule in der Bildmitte helfen, eine Rollbewegung der Kamera zu erkennen. Stürzende Seitenkanten durch nach oben gerichtetes Fotografieren sind ein anderes Problem.
Lege das Begradigungswerkzeug entlang der gewählten Linie oder drehe in kleinen Schritten. Prüfe danach nicht nur diese eine Kante, sondern auch den Gesamteindruck. Automatische Vorschläge können sich an einer schrägen Dachlinie orientieren. Akzeptiere sie deshalb nicht ungeprüft.
Was beim Drehen am Rand verloren geht
Beim Drehen innerhalb eines rechteckigen Bildformats entstehen zunächst leere Ecken. Ein anschließender Beschnitt entfernt diese Bereiche, nimmt aber auch echte Bildfläche weg. Prüfe vor allem Köpfe, Baumspitzen und Schilder nahe den Rändern. Eine geringe Schieflage kann weniger störend sein als ein abgeschnittener wichtiger Gegenstand.
Wenn du das Foto noch aufnehmen kannst, lasse etwas zusätzlichen Platz um das Motiv. Das erleichtert spätere Korrekturen. Bei bereits vorhandenen Bildern solltest du künstlich ergänzte Ränder nicht mit ursprünglich fotografierter Information verwechseln. Für einen sachlichen Nachweis ist es häufig besser, einen kleinen Rand oder einen anderen Ausschnitt zu akzeptieren.
Die endgültige Ansicht kontrollieren
Blende Hilfslinien aus und betrachte das Foto klein und groß. Ein exakt waagerechter Hintergrund kann durch einen dominanten schrägen Vordergrund trotzdem schief wirken. Entscheide dann, ob du geometrische Genauigkeit oder einen bestimmten visuellen Eindruck brauchst, statt unbewusst zwischen beiden Zielen zu wechseln.
Bewahre die Drehung als veränderbare Einstellung und exportiere erst danach die gewünschte Größe. Mehrfaches Drehen und erneutes Speichern einer JPEG-Datei kann unnötige Neuberechnungen erzeugen. Ein einziger sauberer Export aus der bearbeitbaren Fassung ist leichter nachzuvollziehen und lässt spätere Varianten offen.

