Eine weiße Hauswand kann im direkten Abendlicht warm und im Schatten kühl aussehen. Im Schatten erreicht sie möglicherweise mehr blaues Himmelslicht als Sonnenlicht. Das ist nicht automatisch ein Fehler des Weißabgleichs. Problematisch wird es, wenn eine unerwünschte Färbung das Motiv verfälscht oder durch die Bearbeitung deutlich verstärkt wird.

Ursache vor der Korrektur suchen

Vergleiche helle und dunkle Bereiche derselben neutralen Oberfläche. Sind beide gleich verfärbt, liegt eher ein globaler Weißabgleich nahe. Ist nur die Schattenseite betroffen, kann die Lichtmischung oder eine farbige Reflexion aus der Umgebung verantwortlich sein. Eine grüne Wand neben einer Person kann beispielsweise Farbe ins Gesicht zurückwerfen.

Schalte starke Farblooks und Kurven vorübergehend aus. Manche Bearbeitungen färben Schatten absichtlich. Wenn der Farbstich erst dadurch entsteht, ändere die entsprechende Einstellung statt eine zweite Gegenkorrektur darüberzulegen. Das hält den Arbeitsablauf verständlicher.

Bei einer Serie hilft eine Aufnahme derselben Fläche unter anderem Licht als Vergleich. Verwende sie nicht als starre Farbvorlage, sondern um die Materialfarbe einzuschätzen. Ein grauer Stein bleibt beispielsweise grau, obwohl seine Beleuchtung zwischen Mittag und Abend wechselt. Beschrifte Vergleichsversionen, damit du Lichtänderungen nicht versehentlich für Kamerafehler hältst.

Den betroffenen Bereich weich begrenzen

Eine lokale Maske oder eine nach Helligkeit begrenzte Farbkorrektur kann helfen. Halte die Übergänge weich und vermeide eine harte Grenze zwischen neutralen und blauen Schatten. Beobachte nicht nur die Wand, sondern auch dunkle Haare, Kleidung und andere Gegenstände im ausgewählten Tonwertbereich.

Arbeite mit kleinen Farbverschiebungen. Eine starke Entsättigung kann den Farbstich entfernen, aber gleichzeitig Materialfarben zerstören. Ein dunkelrotes Kleid soll auch im Schatten noch rot sein. Vergleiche die korrigierte Fläche mit einem weniger betroffenen Teil desselben Gegenstands, sofern vorhanden.

Rauschen nicht als Beleuchtungsfarbe behandeln

Unregelmäßige bunte Flecken in sehr dunklen Flächen können Farbrauschen sein. Eine globale Gegenfarbe löst dieses Muster nicht. Prüfe die Aufnahme vergrößert und reduziere bei Bedarf das Farbrauschen, bevor du den verbleibenden großflächigen Farbstich beurteilst.

Lasse einen Teil der natürlichen Lichtfarbe stehen, wenn sie die räumliche Situation erklärt. Ein vollständig neutralisierter Schatten kann gegenüber warmem Sonnenlicht künstlich wirken. Kontrolliere die Endfassung bei neutraler Bildschirmdarstellung und normaler Bildgröße. Entscheidend ist ein plausibler Zusammenhang zwischen den Flächen, nicht eine mathematisch identische Farbe überall.

Quellen & weiterführende Informationen