Eine gehende Person und ein springender Hund brauchen nicht dieselbe Belichtungszeit. Selbst dasselbe Motiv kann bei identischer Geschwindigkeit einmal scharf und einmal verwischt erscheinen. Entscheidend ist, wie weit sich seine Abbildung während der Belichtung über den Sensor bewegt. Wähle die Zeit deshalb nach der gewünschten Bildwirkung und prüfe die bewegten Details, nicht nur den Gesamteindruck auf dem kleinen Display.
Warum eine feste Zahl nicht genügt
Bewegung quer zur Blickrichtung wandert deutlich durch das Bild. Ein Motiv, das direkt auf dich zukommt, verändert dagegen vor allem seine Größe und Entfernung. Hier kann der Autofokus zum begrenzenden Faktor werden, obwohl die Konturen kaum seitlich verwischen. Auch einzelne Körperteile unterscheiden sich: Der Oberkörper eines Läufers kann klar sein, während Hände und Schuhe lange Spuren bilden.
Ein enger Ausschnitt vergrößert Bewegungen im fertigen Bild. Wenn du näher herangehst oder stärker hineinzoomst, kann eine zuvor ausreichende Zeit zu lang werden. Dasselbe gilt für einen starken nachträglichen Beschnitt. Beurteile die Schärfe daher ungefähr in der Größe, in der du das Foto verwenden möchtest.
Eine kurze Testreihe
Für eine gehende Person kann 1/250 Sekunde ein Ausgangspunkt sein; für einen schnellen Lauf lohnt ein Versuch mit 1/1000 Sekunde. Das sind Testwerte, keine Garantien. Fotografiere eine wiederholbare Bewegung zunächst mit der gewählten Zeit und dann mit der halben Dauer. Der Wechsel von 1/250 auf 1/500 Sekunde halbiert die während der Aufnahme zurückgelegte Strecke.
Nutze dafür die Zeitvorwahl, meist S oder Tv. Kontrolliere, ob die Kamera die notwendige Blende noch einstellen kann. Ist sie bereits vollständig geöffnet, muss bei gleichbleibendem Licht ISO steigen, sonst wird das Bild dunkler. Auto-ISO kann diesen Ausgleich übernehmen, solange die gesetzte Obergrenze nicht erreicht ist. Ein etwas körniges, scharfes Gesicht ist häufig brauchbarer als ein glattes, verwischtes.
Ein Läufer vor einer Mauer
Stell dir eine Person vor, die quer vor einer gemauerten Wand läuft. Bei 1/125 Sekunde sind die Fugen klar, während Gesicht und Hände Spuren zeigen. Ein Stativ würde an diesem Ergebnis wenig ändern, denn die Kamera hat die Wand bereits ruhig abgebildet. Verkürze auf 1/500 Sekunde und halte die Bildhelligkeit durch eine passende Blenden- oder ISO-Anpassung vergleichbar. Die viermal kürzere Zeit reduziert die während der Belichtung zurückgelegte Strecke auf ein Viertel, sofern die Bewegung gleich bleibt.
Läuft dieselbe Person auf dich zu, kann die seitliche Verschmierung geringer wirken, während der Autofokus stärker gefordert wird. Eine unscharfe Person vor einer scharfen Wand könnte dann zusätzlich bedeuten, dass der Fokus auf der Wand geblieben ist. Kontrolliere mehrere Frames: Liegt die Schärfe immer hinter der Person, ist die Nachführung zu prüfen. Wandert die Person als erkennbare Spur innerhalb eines Frames, bleibt die Zeit ein wichtiger Ansatzpunkt.
Beurteile die Aufnahme zudem in der geplanten Größe. Ein kleiner Abzug verzeiht andere Details als ein enger Ausschnitt auf das Gesicht. Die verwendete Zeit gehört deshalb zusammen mit Entfernung, Bewegungsrichtung und Ausgabegröße in deine Notiz, wenn du später ähnliche Situationen vergleichen möchtest.
Bewegung darf sichtbar bleiben
Vollständiges Einfrieren ist nicht immer das Ziel. Bei einem fahrenden Fahrrad können drehende Speichen die Bewegung erklären, während der Rahmen erkennbar bleibt. Verlängere die Zeit schrittweise und achte auf einen klaren Bezugspunkt. Ein Stativ stabilisiert die Umgebung, hält aber das Motiv nicht an. Trenne deshalb bewusst zwischen ruhigem Hintergrund und bewegtem Objekt, statt jede Unschärfe automatisch zu beseitigen.



